Hadith 3: Beginn der Offenbarung (bad' al-wahy)

Authentizität: Ṣaḥīḥ, āḥād, mursal a-Ṣaḥāba

Aischa, Frau des Propheten und die Mutter der Gläubigen, berichtet:

„Zuerst begann die Offenbarung bei dem Gesandten Gottes mit dem wahrem Traumgesicht (ru’ya ṣāliḥa/ṣādiqa) während des Schlafs; er sah keinen Traum, der sich nicht wie das Morgenlicht[1] bewahrheitet hätte. Danach suchte er die Einsamkeit und zog sich häufig in die Höhle von Ḥirā’[2] zurück. Dort übte er über mehrere Nächte innere Einkehr (taḥannuṯ)[3] bis er wieder zu seiner Familie zurückkehrte. Für seinen Aufenthalt versorgte er sich mit Proviant. Sodann kehrte wieder er zu Khadidscha zurück. Sie versah ihn mit neuen Vorräten.

Das ging so weiter bis die Wahrheit (al-ḥaqq) zu ihm kam, während er sich in der Höhle von Hirā’ aufhielt. Dort kam der Engel zu ihm und sagte: „Lies!“.

Darauf sagte der Prophet: „Ich kann nicht lesen“.

Er erzählte: „Da ergriff er mich und drückte mich, dass ich beinahe die Besinnung verlor, ließ mich dann los und sagte erneut: „Lies!“.

Der Prophet erzählte: „Ich sagte ihm: „Ich kann nicht lesen“. Da ergriff er mich zum zweiten Mal und drückte mich, dass ich beinahe die Besinnung verlor, ließ mich dann los und sagte: „Lies“. Ich antwortete: „Ich kann nicht lesen“. Dann ergriff er mich zum dritten Mal und drückte mich, alsdann ließ er mich los und sprach: „Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf, Er erschuf den Menschen aus einem Anhängsel. Lies, denn dein Herr ist großzügig. Er lehrte mit dem Stift. Er lehrte den Menschen, was er nicht wusste.“[4]

Danach kehrte der Gesandte Gottes zitternden Herzens zurück. Er kam zu Khadidscha bint Khuwailid und rief: „Deckt mich zu! Deckt mich zu!“

Sie deckten ihn zu, bis die Furcht von ihm gewichen war. Er redete dann mit Khadidscha: „O Khadidscha! Was ist los mit mir?“ Nachdem er ihr von dem Ereignis erzählte, sagte er: „Ich bangte sogar um mein Leben!“.

Darauf entgegnete Khadidscha: „Nein! Im Gegenteil! Sei froh! Bei Gott! Gott wird dir niemals Schaden zufügen! Du pflegst doch ein gutes Verhältnis zu deiner Verwandtschaft, du bist ehrlich, du stehst dem Schwachen bei, du unterstützt den Bedürftigen, du bewirtest den Gast und für die Notleidenden bist du immer da.“

Khadidscha machte sich mit ihm auf zu Waraqa ibn Naufal ibn Asad ibn Abd al-Uzzā ibn Quṣayyī, ihrem Cousin, der im Zeitalter der Ignoranz (ğāhiliyya) zum Christentum übergetreten war. Dieser pflegte in hebräischer/arabischer Schrift zu schreiben und er schrieb aus dem Evangelium (inğīl) in Hebräisch/Arabisch, solange Gott es wollte.

Zu jener Zeit war er bereits ein sehr alter Mann, dessen Augenlicht erloschen war. Khadidscha sagte zu ihm: „O Cousin, höre, was deinem Neffen widerfahren ist!“

Waraqa wandte sich zu ihm und fragte: „Was ist passiert, o mein Neffe?“

Da erzählte ihm der Gottesgesandte, was er erlebt hatte.

Da sagte Waraqa zu ihm: „Das ist der Botschafter (nāmūs)[5], den Allah auch zu Moses sandte. Ach, wäre ich doch ein junger Mann, könnte ich doch erleben, wie dein Volk dich vertreibt! „

Der Gesandte Gottes fragte: „Werden sie mich vertreiben?“

Waraqa erwiderte: „Ja! Niemals wurde ein Mann, der etwas Ähnliches vorbrachte wie du, nicht feindselig behandelt. Wenn ich diesen Tag noch erleben darf, wer ich dich tatkräftig unterstützen!“

Wenig später aber starb Waraqa.

Und die Offenbarungen blieben für eine Weile aus, was den Gesandten Gottes traurig machte[6].[7]

 

 

 

Tradentenkette (isnād)

Buḫārī: Ṣaḥīḥ: 3.[8] > Yaḥyā b. Bukair > al-Laiṯ > Uqail > Ibn Šihāb > Urwa b. Zubair > Aiša > [Prophet?]

Yaḥyā b. Bukair: Abū Zakariyyā Yaḥyā b. Abdillāh b. Bukair al-Qurašī al-Maḫzūmī al-Miṣrī (154-231), einer der großen Ḥuffāẓ Ägyptens; Integrität: genauer prüfen, yadlusuhu (Buḫārī)

Al-Laiṯ: Abū al-Ḥāriṯ al-Laiṯ b. Sa’d al-Fahmī (93-175), Tābi‘ at-Tābi‘īn, ein ägyptischer Faqīh, Ḥanafī oder Muğtahid, afqah min Mālik; Konsens über seine Autorität und Integrität

Uqail: Uqail b. Ḫālid al-Ailī al-Qurašī al-Amawī (-144), Maula der Sippe Uṯmān b. Aufān, Ḥāfiẓ, einer der zuverlässigsten Überlieferer, die von Zuhrī überliefern

Ibn Šihāb: Abū Bakr b. Muḥammad b. Muslim b. Abdillāh b. Abdillāh b. Šihāb b. Abdillāh b. al-Ḥāriṯ b. Zuhra b. Kilāb b. Murra b. Ka’b b. Lu’ī az-Zuhrī al-Madanī (52-124), Tābi’ī, einer der größten Hadithkenner; Konsens über seine Autorität und Integrität

Urwa b. Zubair al-Awwām: Seine Mutter hieß Asmā, seine Tante war Aiša, die Frau des Propheten, er war einer der Sieben Fuqahā in Medina

Aiša: Frau des Propheten

Buḫārī: Ṣaḥīḥ: 3392. > Abdullāh b. Yūsuf > al-Laiṯ > Uqail > Ibn Šihāb > Urwa b. Zubair > Aiša

Abdullāh b. Yūsuf:

Buḫārī: Ṣaḥīḥ: 4953. A) > Yaḥyā b. Bukair > al-Laiṯ > Uqail > Ibn Šihāb > Urwa b. Zubair > Aiša B) > Sa’īd b. Marwān > Muḥammad b. Abdalazīz b. Abī Rizma > Abū Ṣāliḥ Salmawai > Abdullāh > Yūnus b. Yazīd > Ibn Šihāb > Urwa b. Zubair > Aiša

 

Buḫārī: Ṣaḥīḥ: 4955. > Yaḥyā b. Bukair > al-Laiṯ > Uqail > Ibn Šihāb > Urwa b. Zubair > Aiša

Buḫārī: Ṣaḥīḥ: 4956. A) > Abdullāh b. Muḥammad > Abd ar-Razzāq > Ma’mar > Zuhrī > Urwa b. Zubair > Aiša B) > al-Laiṯ > Uqail > Muḥammad > Urwa > Aiša

Buḫārī: Ṣaḥīḥ: 4957. > Abdullāb b. Yūnus > al-Laiṯ > Uqail > Ibn Šihāb > Urwa b. Zubair > Aiša

Buḫārī: Ṣaḥīḥ: 6982. A) > Yaḥyā b. Bukair > al-Laiṯ > Uqail > Ibn Šihāb > Urwa b. Zubair > Aiša B) Abdullāh b. Muḥammad > Abd ar-Razzāq > Ma’mar > Zuhrī > Urwa b. Zubair > Aiša

 

Orientalistische Ansätze

  • Sprenger ist voller Lügen, Verleumdungen, unhaltbarer Behauptungen, Missverständnisse und Fehler. Er ist eindeutig tendenziös und kennt selbst die „Psychologie“ des Propheten!

 

Literatur

Ainī, Abū Muḥammad Badr ad-Dīn: Umdat al-Qāri Šarḥ Ṣaḥīḥ al-Buḫārī. Beirut: Dār Kutub al-Ilmiyya, o. J.

Andrae, Tor: Die legenden von der berufung Muḥammeds. In: Le Monde Oriental 6 (1912), 5-18.

Asqalānī, Ibn Ḥağar al-: Fatḥ al-Bārī bi-Šarḥ Ṣaḥīḥ al-Buḫārī. Riyad: Dār Ṭaiba, 2005.

Gräf, Erwin: Mohammeds Berufung. Eine koranexegetische Studie. In: Bustan 8 (1967), 20-28.

Ibn Isḥāq, Muḥammad: Das Leben des Propheten. Übers. Gernot Rotter. Kandern: Spohr, 1999. S. 44-48.

Schoeler, Gregor: Die Berichte über Mohammeds erstes Offenbarungserlebnis (iqra’-Erzählung). In: Charakter und Authentie der muslimischen Überlieferung über das Leben Mohammeds. Berlin: De Gruyter, 1996. S. 59-117.

Sellheim, Rudolf: Muhammeds erstes Offenbarungserlebnis. Zum Problem mündlicher und schriftlicher Überlieferung im 1./7. und 2./8. Jahrhundert. In: JSAI 10 (1987), 2-16.

Sprenger, Aloys: Das Leben und die Lehre des Moḥammad. Bd. 1. Berlin: Nicolai, 1869. S. 296-305.

 


[1] (falaq a-ṣubḥ) Vgl. Koran, 6:96; 113:1.

[2] Huwa al-ğabal bainahu wa baina Mekka naḥwa ṯalāṯa amyāl an yasārik iḏā sirta ilā Minā. (Ainī)

[3] Er [Zuhri] sagte: taḥannuṯ ist eine Andacht (ta‘abbud). (Das ist eine Interpolation bzw. Interpretament (mudrağ) von Az-Zuhrī.) „taḥannuṯ. Das bedeutet taḥannuf. d. h. der Ḥanifiyya, der Religion Abrahams, zu folgen.“ (Ibn Hağar)

[4] Koran, 96:1-5.

[5] Nāmūs: Ṣaḥib as-sirri allaḏī yuṭli‘uhu bima yasturuhu an ġairihi. In: Buḫārī: Ṣaḥīḥ, 3392.

[6] Zusatz von Zuhrī (Authentizität ungesichert): „Er wurde so traurig, dass er, wie wir gehört haben, mehrere Male vorhatte sich von den Spitzen hoher Berge zu stürzen und jedes Mal, wenn er die Spitze eines Berges erklomm, um sich hinunter zu stürzen, erschien Gabriel vor ihm und sagte: „Oh Muhammad! Du bist in der Tat der wahrhaftige Gesandte Gottes“, worauf sein Herz ruhig wurde und er hinunter kletterte und nach Hause zurückkehrte. Und immer wenn die Abstände zwischen den Offenbarung lang wurden, tat er dasselbe, doch wenn er die Spitze des Berges erreichte, erschien Gabriel und sagte dasselbe, was er zuvor sagte.“ (Buḫārī: Ṣaḥīḥ, 6982; Ibn Ḥanbal: Musnad, 25428; Abd ar-Razzāq: Muṣannaf, 9719.)

[7] Buḫārī: Ṣaḥīḥ, 3, 3392, 4953, 4955, 4956, 4957, 6982; Muslim: Ṣaḥīḥ, Imān: 252-254 (160); Tirmiḏī: Sunan, 3632; Nasā’ī: tafsīr?; Ibn Ḥanbal: Musnad, 24676, 25337, 25428; Abd ar-Razzāq: Muṣannaf, 9719.

[8] Isnād ist bis auf Yaḥyā nach allen sechs Autoritäten in Ordnung, nach Buḫārī und Muslim jedoch auch mit Yaḥyā. (Ainī).

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